Abdankung gestalten

Musik an der Trauerfeier: was passt, wer spielt, was erlaubt ist

Ein Musikstück sagt oft mehr als eine Rede. Was Sie bei Auswahl, Technik und Rechten bedenken sollten, damit am Tag der Abdankung alles klappt.

Musik an der Trauerfeier gibt den Gästen Zeit zum Ankommen, trägt durch die stillen Momente und begleitet den Auszug. Viele Angehörige erinnern sich später genau an ein bestimmtes Stück. Gleichzeitig ist die Musik der Teil der Abdankung, bei dem am Tag selbst am meisten schiefgehen kann: ein falsches Format, eine leere Batterie, ein Lied, das in der Kirche nicht passt.

Dieser Ratgeber zeigt, wo Musik im Ablauf vorkommt, wann sich Livemusik lohnt und wann eine Aufnahme, was Kirchgemeinden erlauben und wie es mit dem Urheberrecht aussieht. Dazu kommen Beispiele bewährter Stücke und ein Blick auf Feiern verschiedener Religionen. Den gesamten Ablauf einer Feier finden Sie unter Trauerfeier planen.

Wo Musik im Ablauf ihren Platz hat

Eine Vorschrift, wie viel Musik eine Abdankung haben muss, gibt es nicht. Üblich sind einige feste Stellen, die sich in Kirche, Abdankungshalle und bei freien Feiern ähneln:

  • Eingangsmusik — während die Gäste Platz nehmen; meist ruhig und instrumental
  • Zwischen den Reden — nach dem Lebenslauf oder vor der Ansprache; hier passt das Stück, das am engsten mit der verstorbenen Person verbunden ist
  • Gemeinsames Lied — in kirchlichen Feiern oft ein Lied aus dem Gesangbuch, das alle mitsingen
  • Ausgangsmusik — beim Auszug aus der Kirche oder Halle, oft auf dem Weg zum Grab
  • Am Grab oder beim Leidmahl — seltener, etwa ein Trompetensolo am Grab oder ein Lieblingslied beim Trauerapéro

Planen Sie lieber wenige Stücke bewusst als viele nebeneinander. Ein Lied von fünf Minuten wirkt in der Stille einer Feier länger als zuhause. Viele Stücke lassen sich ausblenden oder kürzen, wenn Sie das vorher mit der Organistin oder der Person an der Technik absprechen.

Livemusik oder Aufnahme

In Kirchen spielt meist die Organistin oder der Organist der Kirchgemeinde. Er oder sie kennt die Orgel, den Raum und den Ablauf und kann auf Wünsche eingehen, auch bei populären Melodien. Ein Ratgeber der Basler Kirchen nennt als Thema des Gesprächs mit der Pfarrperson ausdrücklich die Musikwünsche, «Orgel oder/und eigene CD». Er weist auch darauf hin, dass für die musikalische Gestaltung einer Abdankung gegebenenfalls Rechnung gestellt wird.

Livemusik von Sängerinnen, Sängern oder Instrumentalisten wirkt besonders persönlich, etwa ein Cello, eine Geige oder ein Familienmitglied am Klavier. Klären Sie früh, ob ein Instrument vor Ort steht und wann die Musikerinnen proben können. Eine Aufnahme ist die richtige Wahl, wenn es um ein bestimmtes Lied in der Originalfassung geht, die Stimme der Sängerin, die die verstorbene Person geliebt hat.

Brennende Kerze im Dunkeln
  • Fragen Sie nach, welche Abspielgeräte vorhanden sind. Die Wegleitung der Stadt Winterthur nannte für die Abdankungskapelle eine Organistin, eine Orgel und eine Musikanlage mit CD-Gerät, ein Beamer konnte gemietet werden
  • Nicht jede Anlage hat einen Anschluss für Smartphone oder USB-Stick; ein Kabel oder eine CD als Reserve schadet nicht
  • Bestimmen Sie eine Person, die die Musik bedient, und nicht jemanden aus der engsten Familie
  • Prüfen Sie Lautstärke und Einsatz vor der Feier, nicht während der ersten Takte
  • Speichern Sie alle Stücke in der richtigen Reihenfolge und ohne Werbung oder automatische Wiedergabe von Streamingdiensten

Was in der Kirche möglich ist

Ob ein Popsong, ein Schlager oder ein Filmthema in der Kirche gespielt werden kann, entscheidet die Kirchgemeinde, im Alltag meist die Pfarrperson, die die Abdankung leitet. Eine einheitliche Regel für die Schweiz gibt es nicht. Die reformierten, katholischen und christkatholischen Landeskirchen im Kanton Bern schreiben, persönliche Wünsche der Angehörigen würden «wenn möglich» in die Trauerfeier integriert; Ansprechpartnerin ist die zuständige Pfarrperson.

Die Bandbreite ist grösser, als viele denken. In Stelleninseraten reformierter Kirchgemeinden im Kanton Bern gehört Popularmusik auf Orgel und Klavier ausdrücklich zu den Aufgaben bei Kasualien, also auch bei Abdankungen. Und als im Juni 2026 in der Kathedrale St-Pierre in Genf die Trauerfeier für Jean Ziegler stattfand, spielte die Orgel dort zum ersten Mal «Die Internationale».

Sprechen Sie Ihre Wünsche deshalb offen an, und bringen Sie Text und Aufnahme ins Gespräch mit. Manchmal schlägt die Pfarrperson einen anderen Platz im Ablauf vor, etwa das Lieblingslied am Schluss statt mitten in der Liturgie. Wer frei feiern möchte, ist in der Abdankungshalle des Friedhofs oder in einem anderen Raum ungebunden; mehr dazu unter Freie Bestattung.

Bewährte Stücke als Anregung

Das richtige Stück ist das, das zur verstorbenen Person passt. Eine Rangliste für die Schweiz gibt es nicht. Die folgenden Beispiele werden in Ratgebern und von Bestattern immer wieder genannt und dienen als Ausgangspunkt:

  • Klassisch — Johann Sebastian Bach, «Air»; Johann Pachelbel, Kanon in D-Dur; das «Adagio in g-Moll», das Albinoni zugeschrieben wird; Mozart, «Lacrimosa» aus dem Requiem; Beethoven, «Mondscheinsonate»
  • Kirchenlieder — «Grosser Gott, wir loben dich»; «Von guten Mächten wunderbar geborgen»; «Näher, mein Gott, zu dir»; «Bewahre uns, Gott»
  • Populär — Leonard Cohen, «Hallelujah»; Eric Clapton, «Tears in Heaven»; «Time to Say Goodbye»; Frank Sinatra, «My Way»; Sting, «Fields of Gold»

Bei der Auswahl helfen einige Fragen. Hat die verstorbene Person das Stück wirklich gemocht, oder gefällt es nur uns? Passt der Text, wenn man genau zuhört? Bei fremdsprachigen Liedern lohnt sich ein Blick auf die Übersetzung. Für Ein- und Auszug eignen sich Instrumentalstücke oft besser, weil Gesang die Gespräche der Gäste übertönt oder die Aufmerksamkeit bindet.

Viele Familien wählen eine Mischung: Orgel und ein Kirchenlied für den vertrauten Rahmen, dazu ein einziges persönliches Lied als Aufnahme. Ein Musikstück aus der Herkunftsregion der Familie oder ein Lied in der Muttersprache kann für Gäste aus dem Ausland ein wichtiger Moment sein.

Urheberrecht: braucht es eine SUISA-Lizenz

Die SUISA verwaltet in der Schweiz die Rechte an Musik. Für private Anlässe im kleinen Kreis von Familie und Freunden, als Beispiele nennt sie Hochzeiten und Geburtstage, braucht es nach ihren Angaben keine Lizenz und keine Gebühren. Den Begriff «privat» legt sie aber eng aus. Verantwortlich für eine allfällige Lizenz ist der Veranstalter.

In der Kirche ist die Lage einfacher. Die Römisch-Katholische Zentralkonferenz und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz haben mit der SUISA Gesamtverträge abgeschlossen. Mitglieder dieser Kirchen brauchen keine eigene Lizenz; die Kirchgemeinden melden die gespielte Musik selbst.

Zu Abdankungen äussert sich die SUISA auf ihrer Webseite nicht ausdrücklich. Ob eine Feier mit vielen Gästen noch als privat gilt, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Im Zweifel, etwa bei einer sehr grossen öffentlichen Feier oder einer Übertragung im Internet, empfiehlt die SUISA, direkt bei ihr nachzufragen. Wer die Feier per Livestream überträgt, klärt das am besten auch mit der Kirchgemeinde.

Musik bei religiösen und freien Feiern

Welche Rolle Musik spielt, ist je nach Religion sehr verschieden. Die Unterschiede kurz im Überblick:

  • Reformiert und katholisch — Orgel und gemeinsamer Gesang aus dem Gesangbuch sind fester Bestandteil; persönliche Wünsche werden nach Absprache aufgenommen
  • Orthodox — die Gottesdienste werden traditionell ohne Instrumente gefeiert, die Musik ist Gesang des Chors oder der Gemeinde
  • Jüdisch — die Jüdische Gemeinde Bern schreibt für Trauerfeiern auf ihrem Friedhof: «Es gibt keine Blumen, auch keine Musik, weil diese nicht zur Tradition gehören.» Im Zentrum stehen Gebete
  • Muslimisch — im Mittelpunkt steht das Totengebet mit der Eröffnungssure des Korans und Bittgebeten für die verstorbene Person; ob und welche Musik passt, klären Sie mit dem Imam oder der Gemeinde
  • Freie Feier — keine Vorgaben; von der Jazzband bis zum Lieblingslied ab Smartphone ist alles möglich

Kommen in einer Familie verschiedene Traditionen zusammen, hilft ein offenes Gespräch vorab. Eine Lösung ist, die Musik in einen getrennten Teil zu legen, etwa ein persönliches Stück beim anschliessenden Beisammensein statt in der religiösen Feier. Wie eine Abdankung in der Schweiz grundsätzlich abläuft, steht unter Abdankung in der Schweiz.

Wenn Sie selbst eine Abdankung organisieren

Bringen Sie Ihre Musikwünsche, wenn möglich mit den Aufnahmen, ins erste Gespräch mit. Wir klären mit Kirchgemeinde oder Friedhofverwaltung, welche Technik vor Ort ist, und vermitteln bei Bedarf Musikerinnen und Musiker. Was wir sonst übernehmen, steht unter Trauerfeier und Abdankung; für die Worte zwischen den Stücken hilft der Ratgeber Trauerrede schreiben.

Fragen & Antworten

Häufig gestellte Fragen

Darf man in der Kirche Popmusik an einer Abdankung spielen?

Eine einheitliche Regel gibt es nicht; darüber entscheidet die Kirchgemeinde, meist die Pfarrperson. Viele Kirchgemeinden sind offen für persönliche Wünsche, manchmal mit einem Vorschlag, wo im Ablauf das Lied am besten passt.

Wie viele Musikstücke braucht eine Trauerfeier?

Eine Vorgabe gibt es nicht. Üblich sind Musik beim Eingang, ein Stück zwischen den Reden, eventuell ein gemeinsames Lied und Musik beim Auszug. Wenige bewusst gewählte Stücke wirken oft stärker als viele.

Muss ich für Musik an einer Trauerfeier SUISA-Gebühren bezahlen?

Für private Anlässe im kleinen Familien- und Freundeskreis braucht es laut SUISA keine Lizenz. Für Musik in Kirchen der Landeskirchen bestehen Gesamtverträge. Bei grossen öffentlichen Feiern oder Livestreams empfiehlt die SUISA, im Zweifel nachzufragen.

Kann ich Musik vom Smartphone abspielen lassen?

Oft ja, aber nicht jede Abdankungshalle hat einen passenden Anschluss. Fragen Sie vorher nach, bringen Sie eine Reserve mit, und bestimmen Sie eine Person, die die Musik bedient.

Gibt es an einer jüdischen oder muslimischen Bestattung Musik?

Bei jüdischen Trauerfeiern ist Musik traditionell nicht üblich, im Zentrum stehen Gebete. Bei muslimischen Bestattungen steht das Totengebet im Mittelpunkt; Fragen zur Musik klären Sie am besten mit dem Imam.

Was kostet Musik an einer Abdankung?

Das hängt von Ort und Besetzung ab. Manche Kirchgemeinden stellen die Organistin zur Verfügung, andere verrechnen die musikalische Gestaltung separat. Musikerinnen und Musiker legen ihr Honorar selbst fest; fragen Sie vorher nach einer Offerte.

Wir sind für Sie da — rund um die Uhr

Rufen Sie an, auch wenn Sie noch nicht wissen, welche Schritte nötig sind. Das erste Gespräch kostet nichts und schafft Klarheit.

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