Für Trauergäste
Was das Wort Abdankung bedeutet, wo die Feier stattfindet, wie lange sie dauert und wie Sie sich als Gast zurechtfinden: reformiert, katholisch, jüdisch, muslimisch oder frei.
Eine Abdankung ist in der Schweiz die Trauerfeier für eine verstorbene Person. Der Duden führt «abdanken» im Sinn von «die kirchliche Trauerfeier halten» als schweizerisch, im übrigen deutschen Sprachraum ist das Wort so nur regional bekannt. Die drei Landeskirchen im Kanton Bern erklären es so: Im Wort «Abdankung» steckt der Begriff «Dank», der Dank für das Leben eines Menschen.
Dieser Ratgeber beschreibt die Abdankung aus Sicht der Gäste: wo sie stattfindet, wie sie abläuft, wie lange sie dauert und was es heisst, wenn sie «im engsten Familienkreis» stattfindet. Wenn Sie als Familie eine Feier vorbereiten, finden Sie Rede, Musik und Checkliste unter Trauerfeier planen.
Die Abdankung ist die Feier, die Beisetzung das Einbringen von Sarg oder Urne ins Grab. Beides kann am selben Nachmittag stattfinden, aber auch an verschiedenen Tagen. Die Begriffe und die kantonalen Fristen erklärt der Ratgeber Beerdigung in der Schweiz.
Für Gäste ist vor allem die Reihenfolge wichtig. Sie steht in der Todesanzeige oder im Leidzirkular, etwa «Abdankung in der Kirche, anschliessend Beisetzung» oder umgekehrt. Wer das überliest, wartet sonst am falschen Ort.
Ort und Zeit finden Sie nicht nur in der privaten Anzeige. Viele Gemeinden veröffentlichen die Abdankung amtlich, in Wetzikon etwa in den amtlichen Mitteilungsblättern, in Aesch (BL) in der Rubrik «Bestattungsanzeigen» regionaler Zeitungen und in den Anschlagkästen der Gemeinde. Die Familie kann darauf verzichten oder die Angaben einschränken.
Eine Vorschrift zum Ort gibt es nicht. Üblich sind vier Orte:

Die Räume sind sehr verschieden gross. Im Friedhof Friedental in Luzern bietet die Abdankungshalle rund 110 Sitzplätze. Die kleinere Einsegnungshalle dient vor allem als Treffpunkt vor einer Bestattung, die Rituale dort dauern höchstens 20 Minuten.
Der Luzerner Stadtrat hielt 2016 fest, dass immer mehr Familien die Abdankungshalle wählen. Als Gründe nannte er praktische Überlegungen wie «alles an einem Ort», aber auch den fehlenden Bezug zu einer Religionsgemeinschaft.
Jede Feier ist anders, doch der Rahmen ist in der Deutschschweiz ähnlich. So erleben Gäste eine Abdankung typischerweise:
Eine feste Dauer gibt es nicht, wohl aber Grenzen. Die Stadt Zürich begrenzt eine Trauerfeier gemäss Merkblatt des Bestattungs- und Friedhofamts auf ca. 60 Minuten. In Wetzikon (ZH) darf ein Abschied am Grab aus betrieblichen Gründen nicht länger als 30 Minuten dauern.
Blumen und Kränze bringen Sie meist nicht in die Kirche. In Reiden und Wetzikon werden sie in der Regel auf dem Friedhof abgegeben und vom Friedhofpersonal zum Grab gebracht; in die Kirche kommen sie nur, wenn die Familie den Transport organisiert. Steht in der Anzeige ein Spendenhinweis anstelle von Blumen, folgen Sie ihm.
Rechnen Sie als Gast also mit bis zu einer Stunde für die Feier und mit mehr, wenn eine Beisetzung folgt. Wie man passende Worte findet, steht unter Kondolieren; was beim Essen danach üblich ist, unter Leidmahl und Trauerapéro.
Der Ablauf hängt vom religiösen oder weltlichen Rahmen ab. Einige Unterschiede, die Gäste bemerken:
Steht in der Anzeige, die Abdankung finde im engsten Familienkreis statt, ist das eine klare Bitte: Kommen Sie nur, wenn Sie persönlich eingeladen sind. Die Stadt Wetzikon bietet für die amtliche Publikation genau diese Wendungen an: «Die Abdankung findet im engsten Familienkreis statt» oder «hat im engsten Familienkreis stattgefunden».
Ähnlich ist die stille Bestattung. Die Gemeinde Aesch (BL) publiziert dann keine Zeit. Die reformierte Kirche in Reiden stellt fest, dass immer öfter Abschiedsfeiern im engsten Familienkreis gewünscht werden, und gibt zu bedenken, dass Menschen ausserhalb der Familie so vom Abschiednehmen ausgeschlossen sind.
Als Gast können Sie trotzdem Anteil nehmen: mit einer Karte an die Traueradresse, mit der genannten Spende oder später mit einem Besuch am Grab. Manche Familien ermöglichen den anderen einen persönlichen Abschied bei einer öffentlichen Aufbahrung. Haben Sie erst nach der Beisetzung vom Tod erfahren, ist eine persönliche Karte an die Familie der passende Weg; ein Nachholen der Feier erwartet niemand.
Bei einer Kremation ist die Familie zeitlich freier. Die Abdankung kann vor der Kremation mit dem Sarg stattfinden oder danach mit der Urne, auch Wochen später. Die kantonalen Fristen betreffen die Bestattung, nicht die Feier.
Vor Ort gelten trotzdem eigene Regeln. In Wetzikon werden Urnen in der Regel vor dem reformierten Abdankungsgottesdienst beigesetzt; eine Urnenbeisetzung direkt danach ist aus betrieblichen Gründen nicht möglich. In der Stadt Zürich findet die Urnenbeisetzung gemäss Merkblatt in der Regel am Tag nach der Kremation statt.
Für Gäste heisst das: Lesen Sie die Anzeige genau. Steht dort «Urnenbeisetzung im engsten Kreis, Abdankung am …», sind Sie nur zur Feier eingeladen. Eine spätere Feier hat für Gäste einen Vorteil: Wer weit anreist, kann besser planen, und die Familie hat nach den ersten Tagen etwas mehr Ruhe. Wie die Beisetzung der Urne abläuft, erklärt die Seite Urnenbeisetzung.
Dann stehen andere Fragen im Vordergrund: Pfarrperson oder Rednerin, Raum, Musik, Lebenslauf. Die Schritte dafür beschreibt Trauerfeier planen. Was wir dabei übernehmen, steht unter Trauerfeier und Abdankung.
Fragen & Antworten
In der Schweiz bezeichnet Abdankung die Trauerfeier für eine verstorbene Person, kirchlich oder frei. Im Wort steckt der Dank für das Leben eines Menschen. Die allgemeine Bedeutung «Rücktritt von einem Amt» gibt es daneben auch.
Meist bis zu einer Stunde. Die Stadt Zürich begrenzt Trauerfeiern in ihren Hallen auf ca. 60 Minuten. Folgt eine Beisetzung oder ein Leidmahl, dauert der ganze Anlass länger.
Die Abdankung ist die Feier, die Beerdigung oder Beisetzung das Einbringen von Sarg oder Urne ins Grab. Beides kann direkt nacheinander oder an verschiedenen Tagen stattfinden.
Nur, wenn die Familie Sie persönlich eingeladen hat. Die Formulierung ist eine Bitte, fernzubleiben. Ihre Anteilnahme können Sie mit einer Karte oder einer Spende zeigen.
Das ist verschieden: am Grab, am Ausgang der Kirche oder beim anschliessenden Apéro. Achten Sie darauf, wie es die Familie handhabt, oder folgen Sie den anderen Gästen.
Ja, wenn kremiert wird. Dann kann die Feier mit der Urne später stattfinden, etwa wenn Angehörige aus dem Ausland anreisen. Die Termine stimmt die Familie mit Friedhof, Kirche oder Rednerin ab.