Anteilnahme
Ein Händedruck, eine Karte, ein Satz: Kondolieren ist einfacher, als es sich anfühlt. Hier steht, was in der Schweiz üblich ist und was Sie besser lassen.
Viele Menschen zögern beim Kondolieren, weil sie Angst haben, das Falsche zu sagen. Dabei erwartet die Trauerfamilie keine perfekten Sätze. Sie merkt, wer an sie denkt, und das zählt mehr als die Formulierung.
Diese Seite zeigt, wie Sie in der Schweiz Beileid aussprechen: persönlich am Grab oder nach der Abdankung, mit einer Trauerkarte, mit oder ohne Geld, und digital. Dazu kommen Hinweise für den Fall, dass Sie erst spät vom Tod erfahren, und kurze Notizen zu Bräuchen anderer Religionen.
Am häufigsten kondolieren Gäste direkt nach der Beisetzung am Grab oder beim Ausgang von Kirche oder Abdankungshalle. Die Familie steht dort oft in einer Reihe, und die Gäste gehen nacheinander vorbei. Ein Händedruck, ein kurzer Blick und ein Satz genügen.
Halten Sie sich kurz. Hinter Ihnen warten weitere Menschen, und die Familie nimmt in dieser Stunde sehr viele Hände entgegen. Die Zeit am Grab ist zudem oft begrenzt: In Wetzikon (ZH) etwa darf der Abschied am Grab laut Reglement aus betrieblichen Gründen nicht länger als 30 Minuten dauern.
Fehlen Ihnen die Worte, dürfen Sie das sagen. Ein ehrliches «Ich weiss nicht, was ich sagen soll» wirkt wärmer als eine Floskel. Eine Umarmung passt nur, wenn Sie der Person auch sonst so nahestehen.
Dieser Satz in der Todesanzeige oder im Leidzirkular ist ernst gemeint. Die Familie möchte den Abschied am Grab ohne Händeschütteln erleben. Gehen Sie dann ohne Kondolenz am Grab vorbei und schreiben Sie stattdessen eine Karte.
Eine Karte ist der übliche Weg, wenn Sie nicht an der Abdankung teilnehmen oder die Familie nicht persönlich treffen. Sie erreicht die Familie auch Wochen später noch und wird oft aufbewahrt. Schreiben Sie von Hand, auf einer schlichten Trauerkarte oder auf weissem Papier.
Ein bewährter Aufbau hat wenige Teile:

Vermeiden Sie Sätze, die den Verlust kleiner machen, etwa «Die Zeit heilt alle Wunden» oder «Es ist sicher besser so». Konkrete Erinnerungen tragen die Familie mehr als allgemeine Trostworte.
Die Nähe zur Familie bestimmt den Ton. Die folgenden Beispiele sind Vorschläge, keine Vorlagen zum Abschreiben. Ergänzen Sie sie mit einem eigenen Satz.
Im Geschäftsumfeld unterschreibt oft das ganze Team auf einer Karte. Was Arbeitnehmende an freien Tagen zusteht, steht unter Trauerurlaub in der Schweiz.
Eine Regel gibt es nicht. Geld in der Trauerkarte kommt in der Schweiz gelegentlich vor, ist aber kein Muss und wird nicht von allen Familien gleich aufgenommen. Ein Schweizer Ratgeber nennt als Orientierung Beträge zwischen 20 und 50 Franken; bei enger Beziehung kann es auch mehr sein.
Ob Geld passt, hängt von der Familie und vom Umfeld ab. In manchen Familien hilft es spürbar bei den Kosten, in anderen wirkt es befremdlich. Wenn Sie unsicher sind, verzichten Sie darauf oder fragen Sie jemanden aus dem engeren Kreis.
Wie Sie den Wunsch «Spende statt Blumen» richtig deuten und was Sie trotzdem mitbringen können, erklärt der Ratgeber Blumen zur Beerdigung.
Viele Todesanzeigen erscheinen heute auch online, oft mit einem digitalen Kondolenzbuch. Ein Eintrag dort ist angemessen, besonders wenn Sie weit weg wohnen oder die Familie nur flüchtig kennen. Schreiben Sie so, als stünde es in einer Karte: Name, ein Satz Anteilnahme, vielleicht eine Erinnerung. Bedenken Sie, dass solche Einträge oft öffentlich sichtbar sind.
Eine Nachricht per WhatsApp oder E-Mail wirkt nur persönlich, wenn Sie mit der Person ohnehin so schreiben. Für eine schnelle erste Reaktion unter engen Freunden ist sie in Ordnung. Ein Schweizer Ratgeber hält Kondolenzen per E-Mail, SMS oder WhatsApp in der Regel für unpassend, weil sie unpersönlich wirken; nur besondere Umstände rechtfertigen sie. Bei Nachbarn, Bekannten und Geschäftskontakten bleibt die Karte der sichere Weg.
Erfahren Sie erst Wochen oder Monate später vom Tod, kondolieren Sie trotzdem. Für die Familie ist ein später Gruss meist ein Zeichen, dass die verstorbene Person nicht vergessen ist. Erklären Sie in einem Satz, warum Sie sich erst jetzt melden: «Ich habe leider erst heute vom Tod Ihrer Mutter erfahren.» Eine lange Entschuldigung ist nicht nötig.
Auch ein Gruss zum ersten Jahrestag oder zum Geburtstag der verstorbenen Person kann viel bedeuten. Gerade wenn keine Karten mehr kommen, merken Trauernde, wer an sie denkt.
In der Schweiz leben Familien vieler Konfessionen. Die Grundregel bleibt überall gleich: zurückhaltend sein, zuhören, im Zweifel jemanden aus der Familie fragen. Einige Bräuche sind gut zu kennen:
Bräuche unterscheiden sich je nach Gemeinde und Herkunft der Familie. Eine kurze Frage an jemanden aus dem Umfeld der Familie erspart Unsicherheit.
Als Familie entscheiden Sie, ob am Grab kondoliert werden soll und ob Sie Spenden statt Blumen wünschen. Beides gehört in die Todesanzeige oder ins Leidzirkular; bei Text und Druck helfen wir unter Trauerdruck und Todesanzeige. Die Abdankung selbst planen wir mit Ihnen unter Trauerfeier.
Fragen & Antworten
Ein schlichtes «Herzliches Beileid» oder «Es tut mir sehr leid» genügt. Wenn Sie die Familie kaum kennen, hilft ein Hinweis, woher Sie die verstorbene Person kannten.
Eine Regel gibt es in der Schweiz nicht, und Geld ist kein Muss. Ein Schweizer Ratgeber nennt als Orientierung 20 bis 50 Franken; bei enger Beziehung kann es mehr sein. Steht in der Anzeige ein Spendenwunsch, folgen Sie diesem.
Unter engen Freunden ist eine kurze Nachricht als erste Reaktion in Ordnung. Bei Nachbarn, Bekannten und im Beruf ist eine handgeschriebene Karte angemessener.
Die Familie möchte am Grab keine Hände schütteln. Gehen Sie ohne Kondolenz vorbei und schicken Sie stattdessen eine Karte.
Ja. Ein später Gruss zeigt der Familie, dass die verstorbene Person nicht vergessen ist. Schreiben Sie in einem Satz, dass Sie erst jetzt davon erfahren haben.
An die engsten Angehörigen, etwa die Witwe, den Witwer oder die Kinder. Kennen Sie nur eine Person aus der Familie, schreiben Sie ihr und grüssen Sie die übrigen mit.