Worte finden
Eine Trauerrede muss nicht perfekt sein. Sie soll einen Menschen so zeigen, dass die Gäste ihn wiedererkennen. Aufbau, Länge und Vortrag Schritt für Schritt.
Eine Trauerrede zu schreiben, gehört zu den schwersten Aufgaben in den Tagen nach einem Todesfall. Man soll in wenigen Minuten ein ganzes Leben zusammenfassen, und das in einem Moment, in dem man selbst trauert. Die gute Nachricht: Niemand erwartet eine perfekte Rede. Die Gäste wollen den Menschen wiedererkennen, von dem sie Abschied nehmen.
Dieser Ratgeber erklärt, wer an einer Abdankung in der Schweiz üblicherweise spricht, worin sich Lebenslauf und Trauerrede unterscheiden, wie eine Rede aufgebaut ist und wie lang sie sein sollte. Dazu kommen Tipps zum Vortragen und einige Beispiel-Formulierungen für Anfang und Schluss, die Sie frei anpassen können.
Schritt für Schritt
Notieren Sie Stichworte: Lebensstationen, Eigenschaften, Lieblingssätze, kleine Gewohnheiten. Fragen Sie Geschwister, Freunde oder Arbeitskolleginnen nach ihren Erinnerungen.
Wählen Sie zwei oder drei Geschichten, die etwas Typisches zeigen. Alles andere darf wegfallen; eine Rede ist keine Vollständigkeitsprüfung.
Schreiben Sie den Text vollständig aus, in kurzen Sätzen und so, wie Sie sprechen. Am besten in mehreren Etappen über zwei oder drei Tage.
Lesen Sie die Rede laut, langsam und mit Pausen. Kürzen Sie, bis die abgesprochene Zeit eingehalten ist.
Klären Sie mit Pfarrperson, Rednerin oder Bestatter, wann Sie sprechen, wie lange und ob ein Mikrofon bereitsteht.
Bei einer kirchlichen Abdankung leitet die Pfarrperson die Feier und hält die Ansprache. Sie führt vorher ein Gespräch mit den Angehörigen, in dem es auch um die persönlichen Angaben zur verstorbenen Person geht. Bei einer freien Feier übernimmt eine Trauerrednerin oder ein Trauerredner diese Rolle, oder die Familie gestaltet die Feier selbst.
Daneben können Angehörige, Freunde oder ehemalige Arbeitskollegen ein paar persönliche Worte sprechen. Diese Kombination ist verbreitet: Die Pfarrperson oder Rednerin trägt den Rahmen, ein Familienmitglied erzählt eine kurze Erinnerung. Sprechen Sie nur, wenn Sie es wirklich möchten. Niemand ist dazu verpflichtet.
Sprechen mehrere Personen, lohnt sich eine kurze Absprache vorher. Wer erzählt welche Geschichte, wer übernimmt den Lebensweg, wer den Abschluss? So vermeiden Sie, dass dieselbe Anekdote zweimal kommt, und die Feier bleibt im geplanten Zeitrahmen.
Für eine freie Rednerin nennen Schweizer Anbieter Honorare von ca. CHF 900 bis 1'800 pro Feier, je nach Erfahrung, Region und Aufwand; das Trauerportal nennt Preise ab CHF 875. Fragen Sie, ob Vorgespräch und Anfahrt inbegriffen sind. Wie eine Feier ohne Kirche aussehen kann, steht unter Freie Bestattung.
In vielen Schweizer Abdankungen wird ein Lebenslauf verlesen, oft durch die Pfarrperson, manchmal durch ein Familienmitglied. Die Tradition ist alt: Im Staatsarchiv des Kantons Thurgau liegen ganze Bestände mit Abdankungen und Lebensläufen aus den Jahren 1944 bis 1985. Auch die Basler Kirchen nennen den Lebenslauf als festen Punkt im Gespräch mit der Pfarrperson.
Der Lebenslauf erzählt die Stationen eines Lebens in der richtigen Reihenfolge. Die Trauerrede dagegen deutet: Sie fragt, wer dieser Mensch war und was er hinterlässt. Oft schreibt die Familie den Lebenslauf, und die Pfarrperson oder Rednerin baut ihre Ansprache darauf auf. Typische Inhalte eines Lebenslaufs:

Hat die Familie Wurzeln im Ausland, gehört die Migrationsgeschichte oft zu den wichtigsten Teilen: wann und warum jemand in die Schweiz kam, was er mitgebracht und was er aufgebaut hat. Lassen Sie den fertigen Lebenslauf von einer zweiten Person aus der Familie gegenlesen. Namen, Jahreszahlen und Orte müssen stimmen, denn Fehler fallen den Gästen an einer Abdankung sofort auf. Mehr zur Feier selbst finden Sie unter Abdankung in der Schweiz.
Eine feste Form gibt es nicht. Bewährt hat sich ein Aufbau in vier Teilen, den Ratgeber und Bestatterverbände ähnlich beschreiben:
Lachen ist erlaubt. Eine passende Anekdote über eine Gewohnheit oder einen Lieblingssatz kann eine Abdankung entlasten. Suchen Sie aber nicht krampfhaft nach Pointen. Schwierige Seiten eines Lebens dürfen ruhen; Konflikte in der Familie, Erbschaftsfragen und Einzelheiten einer Krankheit gehören nicht in die Rede. Religiöse Elemente setzen Sie so ein, wie es zur verstorbenen Person und zur Familie passt.
Kürzer ist fast immer besser. Ein Ratgeber auf evangelisch.de empfiehlt zehn Minuten und höchstens eine Viertelstunde, weil Musik, Lebenslauf und Gebete ebenfalls Zeit brauchen. Andere Ratgeber nennen fünf bis fünfzehn Minuten für die Hauptrede.
Wer als Familienmitglied neben der Pfarrperson spricht, plant am besten deutlich weniger ein und spricht die Dauer vorher ab. Als grobe Faustregel gelten bei ruhigem Vortrag gut 100 Wörter pro Minute. Eine Rede von zehn Minuten hat damit etwa 1000 bis 1200 Wörter, ein persönlicher Beitrag von drei Minuten rund 300 bis 350.
Verlassen Sie sich nicht auf die Zahl, sondern stoppen Sie die Zeit. An einer Abdankung spricht man langsamer als im Alltag, und Pausen kommen dazu.
Der Anfang ist oft der schwerste Satz. Die folgenden Formulierungen sind Vorschläge, die Sie umschreiben, kürzen oder mit eigenen Worten ersetzen können:
Ein Zitat oder ein Gedicht kann einen guten Rahmen geben. Wählen Sie einen Text, den die verstorbene Person mochte, und nennen Sie die Autorin oder den Autor. Bei Bibelversen und Gebeten berät Sie die Pfarrperson.
Vorsicht bei allgemeinen Sätzen wie «Sie war immer für alle da». Sie stimmen fast immer und sagen doch wenig. Ein konkretes Bild bleibt eher hängen: der Zopf, den sie jeden Sonntag gebacken hat, oder das Pfeifen im Treppenhaus, an dem man ihn schon von weitem erkannte.
Schreiben Sie die Rede vollständig auf, auch wenn Sie sonst frei sprechen. In der Trauer verliert man leicht den Faden. Drucken Sie den Text in grosser Schrift, mit breitem Zeilenabstand und nummerierten Seiten. Markieren Sie Stellen, an denen Sie atmen oder kurz innehalten wollen.
Sprechen Sie langsam, langsamer, als es Ihnen natürlich vorkommt. Suchen Sie im Saal zwei oder drei vertraute Gesichter, zu denen Sie hinschauen können. Erwarten Sie keine sichtbare Reaktion; viele Gäste schauen ernst oder senken den Blick, auch wenn die Rede sie berührt.
Viele Familien schätzen es, wenn sie den Text der Rede nach der Feier erhalten. Er kann dem Kondolenzbuch beigelegt oder an Angehörige geschickt werden, die nicht anreisen konnten.
Wenn Sie eine Pfarrperson oder eine freie Rednerin suchen, vermitteln wir den Kontakt und stimmen den Ablauf mit Musik und Reden ab. Wie das bei uns abläuft, steht unter Trauerfeier und Abdankung; die Checkliste für das Planungsgespräch finden Sie unter Trauerfeier planen, Hinweise zur Musikauswahl unter Musik an der Trauerfeier.
Fragen & Antworten
Für die Hauptrede gelten etwa zehn Minuten als gutes Mass, eine Viertelstunde als Obergrenze. Persönliche Worte eines Familienmitglieds neben der Pfarrperson sind meist deutlich kürzer; sprechen Sie die Dauer vorher ab.
Der Lebenslauf erzählt die Stationen eines Lebens der Reihe nach. Die Trauerrede deutet sie: Sie zeigt, wer dieser Mensch war und was er hinterlässt. In vielen Schweizer Abdankungen wird beides vorgetragen.
Häufig die Familie, oft in Absprache mit der Pfarrperson, die ihn im Trauergespräch bespricht und an der Feier verliest. Er kann auch von einem Familienmitglied vorgetragen werden.
Anbieter nennen ca. CHF 900 bis 1'800 pro Feier, je nach Erfahrung, Region und Aufwand. Fragen Sie nach, ob Vorgespräch und Anfahrt inbegriffen sind.
Halten Sie kurz inne, atmen Sie und lesen Sie weiter. Geben Sie vorher eine Kopie der Rede einer zweiten Person, die bei Bedarf übernehmen kann.
Ja, eine passende Anekdote kann eine Abdankung entlasten und die Person lebendig machen. Sie sollte aber zur verstorbenen Person passen und niemanden blossstellen.